Von Grüntee bis Matcha
Das grüne Wunderpulver
Nach der Dubai-Schokolade (eine Kombination aus Schokolade, Pistazie und knusprigen Teigfäden) wird der deutsche Lebensmittel-Markt nun vom Matcha-Trend regelrecht überschwemmt.
Aus dem asiatischen Raum stammend wird dieses grüne Pulver vor allem als Getränk zubereitet, findet sich aber auch immer häufiger in Süßwaren.
Außerdem wird es mit zahlreichen gesundheitlichen Benefits in Verbindung gebracht, aber worum genau handelt es sich da eigentlich?

Grüner Tee, schwarzer Tee und auch Matcha haben ihren Ursprung in den Blättern derselben Teepflanze namens „Camellia sinensis“.
Die Unterscheidung dieser Varianten resultiert aus variierender Ernte, Verarbeitung und Zubereitung.
Für Grüntee werden die Blätter nach der Ernte zügig verarbeitet, um starke Oxidation (Reaktion von Enzymen im Blatt mit Sauerstoff bei Beschädigung) zu verhindern, meist in Form von Dämpfen.
Anschließend erfolgt die Trocknung und der Verkauf als Teeblätter, welche für den Konsum in heißem Wasser aufgegossen, jedoch selbst nicht mitverzehrt werden.
Für schwarzen Tee werden die Blätter nach der Ernte vor der Trocknung bewusst oxidiert und wie Grüntee zubereitet.
Für Matcha werden die Pflanzen vor der Ernte beschattet und nach der Ernte wie Grüntee zügig verarbeitet.
Außerdem werden die getrockneten Blätter fein gemahlen und das entstandene Pulver wird bei der Zubereitung vollständig mitverzehrt.

Seine Wurzeln hat Matcha in China, besonders in der Song-Dynastie, wo gemahlener Tee in
buddhistischen Kontexten genutzt wurde.
In Japan wurde diese Tradition später weiterentwickelt und stark kulturell verankert (z. B. Teezeremonie), weshalb das Land historisch stärker mit dem grünen Pulver in Verbindung gebracht wird.
Im Rahmen der Globalisierung hat Matcha seinen Weg schließlich auch zu uns gefunden, wo er in zahlreichen Coffee-Shops und zunehmend auch in immer mehr Süßigkeiten (meist auf Schokoladenbasis) zu finden ist.
Der Begriff „Matcha“ ist in Bezug auf seine Herstellung (vor allem die aufwendige Beschattung) übrigens nicht geschützt, weshalb man prinzipiell nicht davon ausgehen kann, dass bei einem Produkt, welches mit Matcha wirbt, auch wirklich traditionell hergestelltes Matcha-Pulver enthalten ist (mal abgesehen davon, dass er Grüntee-Pulveranteil meistens sowieso mehr Alibi als wahrnehmbar ist).
Passend zur natürlich implizierten Grün-Farbe werden allen Varianten aus der „Camellia sinensis“
gesundheitsförderliche Effekte zugeschrieben.
Relevant sind hier die enthaltenen Catechine (vor allem EGCG), Koffein und Theanin.
Koffein ist ein Nervengift, dass den meisten Menschen aus Kaffee bekannt ist und nachweislich Müdigkeit unterdrücken sowie die Konzentration kurzfristig steigern kann.
Der Gehalt schwankt stark je nach Anbau, Verarbeitung und Zubereitung, allgemein enthält Grüntee jedoch
am wenigsten und Matcha (je nach verwendeter Pulvermenge) am meisten Koffein, während schwarzer
Tee im Mittelfeld liegt.
Der Koffeingehalt einer durchschnittlich großen normal zubereiteten Tasse entspricht dann etwa der Hälfte einer Tasse schwarzen Kaffee.
Catechine zählen zu den Polyphenolen und werden im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung mit antioxidativen und entzündungsmodulierenden Effekten in Verbindung gebracht.
Theanin ist eine Aminosäure, welche die negativen Effekte des Koffeins (Nervosität usw. durch schnelle/starke Wirkung) abmildern kann.
Die Effektstärke des regelmäßigen Konsums als Getränk ist für alle Varianten gering und wenn
überhaupt auf die allgemein ausgewogenere Ernährung zurückzuführen, die Konsumenten tendenziell
stärker verfolgen. Auch subjektive Effekte auf Verdauung und Völlegefühl sind auf den insgesamt
höheren Konsum von Ballaststoffen, sekundären Pflanzenstoffen sowie allgemein „leichterer Kost“
zurückzuführen. Somit bleiben alle Varianten der „Camellia sinensis“ eine kulinarisch interessante
Komponente, seien es die bitteren Noten des grünen und schwarzen Tees oder der grasige Geschmack
sowie das knallige Grün des Matchas.
