Neue Ernährungspyramiden:
Wie sich die Ernährungspyramiden geändert haben und was heutzutage wichtig ist
Ich denke, fast jeder von uns hat im Biologie-Unterricht der Schule schon einmal von der Ernährungspyramide gehört, innerhalb jener der Konsum bestimmter Nahrungs- und Lebensmittel-Klassen in unterschiedliche Mengenverhältnisse gesetzt wurde, um letztlich eine optimale Versorgung mit einer ausgewogenen Ernährung zu gewährleisten. Die Ernährungspyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wurde mittlerweile durch den Ernährungskreis mit seinen 10 Nahrungsmittel-Klassen ersetzt und in den Empfehlungen werden außerdem auch ökologische Aspekte berücksichtigt.

Diesmal werfen wir einen Blick in die USA und deren neue Veröffentlichung der aktuellen Ernährungspyramide sowie Ernährungsempfehlungen für 2025-2030 als Teil der Dietary Guidelines for Americans. Die Herausgeber sind das U.S. Department of Health and Human Services (HHS, zuständig für öffentliche Gesundheit, Integration der Empfehlungen in medizinische Richtlinien und Gesundheitsprogramme) und das U.S. Department of Agriculture (USDA, zuständig für Ernährungspolitik, Landwirtschaft und Ernährungsprogramme) sowie das Dietary Guidelines Advisory Committee (DGAC, unabhängige wissenschaftliche Instanz zur evidenzbasierten Beurteilung und Berichterstattung). Die neuen Empfehlungen bilden somit eine Mischung aus wissenschaftlicher Evidenz, politischer Priorität, wirtschaftlichen Interessen und öffentlicher Gesundheitsstrategie.
Die übergeordneten Aussagen der aktuellen Empfehlung umfassen die Reduktion (stark) verarbeiteter Lebensmittel, Fokus auf tierische Proteinquellen und (weitgehend) unverarbeitete Fettquellen sowie Reduktion von zugesetztem Zucker. Mit diesen teilweise erstmalig eingeführten flexiblen Rahmenbedingungen soll die immer kritischer zu bewertende Gesundheitssituation der US-Bevölkerung (von denen die deutsche Bevölkerung übrigens gar nicht mehr so weit weg ist, wie viele denken) verbessert werden. Auf Basis vieler im Volksmund verbreiteter Aussagen und zahlreicher Medienberichte erscheinen jedoch beim Blick auf die Abbildung der Ernährungspyramide einige Widersprüche, welche genauer betrachtet werden müssen.
Direkt zu erkennen ist, dass Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte mit Gemüse teilweise vor Obst auf einer Ebene stehen. Die Intension dahinter besteht in einer ausreichenden Protein-Versorgung als Baustoffe unseres Körpers (Organe, Immunsystem, Nervensystem, Sehnen und Bänder, Gelenke, Muskulatur). Tierische Quellen liefern in (weitgehend) unverarbeiteter Form das hochwertigste und isolierteste (Stichwort: Proteingehalt pro kcal und andere Makronährstoffe) Protein aller verfügbaren Quellen. Dennoch sei an dieser Stelle der Einfluss von Fleisch- und Milchindustrie zu nennen.
Ebenso auffällig sind Getreideprodukte an der Pyramiden-Spitze, was gerade in Anbetracht der umfangreichen deutschen Brotkultur sicherlich einige Fragezeichen aufwerfen kann. Die Intension hier berücksichtigt einerseits den Faktor Kohlenhydrate als einzigen (theoretisch) nicht überlebensnotwendigen Makronährstoff (Stichwort: mehr Protein und weniger Kohlenhydrate innerhalb nicht übermäßiger Kalorienzufuhr) und andererseits den Fokus auf „Whole Grains“, also Vollkorn mit seinem ernährungsphysiogisch relevantem Mikronährstoff- und Ballaststoff-Gehalt.

Fertig-Lebensmittel entfallen vollständig aus der Pyramide, aber was wird unter dem nicht offiziell definiertem Begriff stark/hoch/ultrahoch verarbeiteter Lebensmittel eigentlich verstanden? Hierunter fallen nach dem Bericht des DGAC verpackte oder fertig zubereitete Produkte, stark gesalzene oder gesüßte Produkte sowie Lebensmittel und Getränke mit künstlichen Aromen, Farbstoffen auf petrochemischer Basis, künstlichen Konservierungsstoffen und kalorienfreien Süßstoffen. An dieser Stelle überlagert die Priorität öffentlicher Gesundheitsstrategie auch maßgeblich rein wirtschaftliche Interessen der weiterverarbeitenden Lebensmittel-Industrie.
Bei der neuen Ernährungsempfehlung in den USA gibt es noch weitere Aspekte, welche kontrovers diskutiert werden können, dennoch soll an dieser Stelle zusammengefasst werden:
